Her mit dem Sozialticket!

Her mit dem Sozialticket!Mobilität für alle:

Die initiative k unterstützt die Aktionen zur Einführung eines Sozialtickets für Bedürftige in Düsseldorf. Ohne die Möglichkeit zur Mobilität kann es keine effektive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geben. Menschen mit wenig Geld ist jedoch diese Mobilität durch die hohen Fahrpreise verwehrt. Wir unterstützen daher als ersten Schritt die Einführung eines Sozialtickets.


Wir sind der Meinung, dass die Sicherstellung von ökologisch sinnvoller Mobilität eine Aufgabe der Gesellschaft ist und engagieren uns daher für den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif. Dass dies möglich ist, dokumentiert dieser Bericht des WDR:


Vor 10 Jahren als Pilotprojekt gestartet
Gratis Bus fahren im belgischen Hasselt

Von Claudia Zimmermann
Ab 1. August wird Bus und Bahn fahren in NRW teurer. Aber es geht auch anders. Im belgischen Hasselt, etwa sechzig Kilometer von Aachen entfernt, muss man für die Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr keine Fahrkarte kaufen.
Das Ein- und Aussteigen am zentralen Marktplatz funktioniert schnell. Der Bus ist rappelvoll - so wie immer in den vergangenen Jahren - trotzdem kann Fahrer Jeanne-Pierre innerhalb weniger Minuten wieder losfahren, denn der lästige Kartenverkauf und die Fahrscheinkontrolle entfällt. Wenn keiner zahlen muss, braucht auch keiner einen Fahrausweis. Das spart Zeit und Personal. Alle fünf Minuten hält ein Bus an dieser zentralen Haltestelle mitten in der Stadt. Die Busse kommen zügig durch, denn es gibt fast keinen Verkehr, die Innenstadt ist größtenteils für Autofahrer gesperrt. Ohnehin gibt es im Zentrum praktisch keine Parkplätze mehr. Nur die Busse haben fast überall freie Fahrt. Und überall sieht man Fahrräder, teilweise fahren sie mitten auf der Straße, kaum einer der sie daran hindert.

Von Anfang an erfolgreich
Vor genau zehn Jahren wurde das Pilotprojekt "Gratis Bus fahren" vom damaligen Bürgermeister Steve Stevaert eingeführt. "Hasselt wird nie mehr die gleiche Stadt sein", verkündete er damals. Und er hat Recht bekommen. Vor Juli 1997 gab es in Hasselt acht Stadtbusse mit durchschnittlich nur etwa 1.000 Fahrgästen pro Tag, das heißt, die Busse fuhren praktisch leer durch die Gegend. Morgens und Abends gab es den obligatorischen Verkehrsstau, bedingt durch die vielen Menschen, die mit dem Auto in die Stadt fuhren. Heute gibt es in der Stadt mit 70.000 Einwohnern 46 Stadtbusse, rund sechs Mal so viele wie damals. In den vergangenen zehn Jahren wurden 35 Millionen Fahrgäste befördert, das sind im Jahr etwa zehn Mal soviel wie früher. Das Angebot gilt auch für die Besucher der Stadt: Sie können das Auto am Rande der Stadt auf einem der großen Parkplätze parken und fahren mit einem Pendelbus ins Zentrum. Inzwischen wurde das Projekt erweitert. "Einmal im Monat fahren alle Einwohner der gesamten Region mit Bus und Bahn umsonst nach Hassel", schwärmt Luc Reijnders aus Sint Truiden. Er nutzt diese Gelegenheit zum Einkaufen in der Nachbarstadt.

 


Wer zahlt die Zeche ?
Die Stadt Hasselt zahlt eine Million Euro im Jahr an das Busunternehmen. Das war auch schon vor zehn Jahren so. Die Stadt zahlt also nicht mehr als früher, aber das System funktioniert jetzt besser. Den Rest finanziert die flämische Provinz Limburg gemeinsam mit den anderen belgischen Provinzen. Das Busunternehmen bekommt für alle Fahrten in ganz Belgien pro Jahr etwa 800 Millionen Euro Subventionen. Das charakteristische daran ist: nicht der Fahrgast zahlt für den Öffentlichen Nahverkehr, sondern die Allgemeinheit: der Steuerzahler. Inzwischen machen auch zahlreiche andere Gemeinden in der belgischen Provinz Limburg mit. All diese Städte zahlen anteilmäßig einen bestimmten Betrag pro Einwohner an das Busunternehmen, so wie Hasselt. Der Rest wird nach wie vor von der Provinz subventioniert. Das ist ganz im Sinne von Steve Stevaert, damals Bürgermeister, danach Verkehrsminister und jetzt Gouverneur der belgischen Provinz Limburg: gemeinsam für weniger Verkehrsproblematik und eine saubere Umwelt.


Ein Modell für die ganze Welt

Viele Städte haben sich das Hasselter Modell inzwischen angeschaut und einige haben es teilweise umgesetzt. In der benachbarten Stadt Maastricht fahren Pendler nach den Sommerferien probeweise gratis mit dem Bus. Die Stadt Maastricht möchte feststellen, ob Arbeitnehmer bereit sind das Auto stehen zu lassen, wenn sie so Geld sparen. In Aachen gibt es keine Überlegungen das Modell Hasselt umzusetzen. "Es lasse sich nicht ohne weiteres auf den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland übertragen. Die Struktur der Aachener Verkehrsbetriebe sei zu unterschiedlich", sagt Heiner Höfken, Fraktionschef der SPD in Aachen.


Kritik: volle Busse
Die erfolgreichste Linie in Hasselt ist die, die ins Zentrum führt. Jeden Monat werden allein zum Marktplatz 60.000 Fahrgäste befördert. Die Gastronomie boomt, die Geschäfte laufen gut, in der Innenstadt gibt es überdurchschnittlich viele Läden. Hasselt ist zur drittgrößten Geschäftstadt Belgiens gewachsen, vor allem durch das kostenlose Bus fahren, so eine Studie des belgischen Wirtschaftszentrums. Die eine Million Euro, die die Stadt pro Jahr in das Unternehmen steckt, verdient sie doppelt und dreifach wieder zurück an Steuern. Einziges Problem: die Busse sind voll. Rentner beschweren sich, weil sie keinen Sitzplatz mehr bekommen, Jugendgruppen bleiben oft lange im Bus sitzen, ohne Fahrziel. Laut Bürgermeister seien dies aber kleine Probleme, die man lösen könne und die in keinerlei Verhältnis stünden zu den positiven Seiten: mehr Lebensqualität, bessere Luft, keine Staus und im großen und ganzen zufriedene Bürger.

(aus: http://www.wdr.de/themen/verkehr/oepnv/hasselt/index.jhtml)

 

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Teil1, Teil2, Teil3

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